Aus Westerwälder Zeitung vom Freitag, 22. Januar 2010, Seite 15 (nur Text)

Die Wärme kommt aus dem Wald


Verbandsgemeinde Hachenburg plant klimaschonendes Energienetz - Löwenbad, Krankenhaus und Schule sind Hauptabnehmer

Der Klimawandel droht aus dem Blickfeld zu geraten. Doch unverändert gilt der Grundsatz: "Global denken - lokal handeln." In Hachenburg reifen feurige Pläne, um diese Maxime in die Tat umzusetzen.

HACHENBURG. Auf den Energieträger Holz setzt die Verbandsgemeinde Hachenburg und plant derzeit ein klimagünstiges Nahwärmenetz in der Löwenstadt. Im Wald oberhalb der Stadionzufahrt soll ein modernes Heizkraftwerk entstehen, das mehrere kommunale Abnehmer sowie das DRK-Krankenhaus und dessen Wohnheim zuverlässig mit Wärme versorgt.

Für diesen ökologisch sinnvollen Plan steht eine Gesamtinvestition in Höhe von 2,5 Millionen Euro im Raume. Eine Million Euro gibt das Land als Zuschuss, der Rest kann über ein zinsloses Landesdarlehen vorfinanziert werden. "Damit bauen wir eines der größten Nahwärmenetze in Rheinland-Pfalz", sagt Bürgermeister Peter Klöckner und fügt hinzu: "Nach dem Scheitern von Kopenhagen will die Verbandsgemeinde Hachenburg damit ihre ökologischen Energiebestrebungen konsequent fortsetzen. Dem Land sind wir für die angekündigte Unterstützung sehr dankbar."

Treibende Kraft des Nahwärmeprojektes ist die Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde, Gabriele Greis. Ausgangspunkt für ihre Überlegungen war der Ratsbeschluss, im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Sanierung des Löwenbades auch den Einsatz von alternativen Energien zu prüfen. Nachdem eine vor Jahren entwickelte Studie den Weg aufzeigte, gab das Land grünes Licht für die Mittel aus dem Konjunkturpaket II. Der jetzt ins Auge gefasste Ausbauplan ist die kleinere von zwei Varianten - in der größeren wären zum Beispiel als Abnehmer auch die Graf-Heinrich-Realschule plus, die Stadthalle und die Fachhochschule der Deutschen Bundesbank vorgesehen gewesen. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", sagt der Bürgermeister, "vielleicht kann man das eines Tages modular erweitern."

Auch Privathaushalte sind zunächst nicht als Abnehmer der Wärmeenergie vorgesehen. "Das werden wir erst dann angehen, wenn das primäre Netz sattelfest ist", sagt Klöckner.

Die technische Seite des Projektes ist keineswegs eine Wundertüte oder ein Buch mit sieben Siegeln. Das Prinzip erscheint relativ einfach und dürfte daher mittelfristig auch in anderen Kommunen auf Interesse stoßen. Hauptrohstoff ist das Holz aus dem heimischen Forst (im vorsichtigen Behördendeutsch heißt das: Die Präferenz lokaler Herkunft kann bei der Ausschreibung betont werden). "Ob als Holzhackschnitzel oder als Pellets, diese Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagt Gabriele Greis. Die Stadt Hachenburg ist einer der größten kommunalen Waldbesitzer in der Region, und bei kurzen Wegen lassen sich die eigenen Ressourcen noch umweltschonender nutzen. Dementsprechend versteht es sich von selbst, dass keine belasteten Hölzer zum Einsatz kommen sollen.

Doch allein mit dem Heizkessel, in dem das Holz verbrannt wird, kommt die Anlage nicht aus. Für die Sicherung der Grundlast ist ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) vorgesehen. Dieses speist zusätzlich Strom ins öffentliche Netz ein. Etwaige Spitzenlasten an klirrend kalten Wintertagen soll ein zuschaltbarer Ölkessel sichern. Dennoch, so Bürgermeister Klöckner, ändere dies nichts an den Vorteilen der CO2-Einsparung und der preisgünstigen Wärmelieferung insbesondere mit Blick auf die Entbehrlichkeit dezentraler Anlagen sowie deren laufender Unterhaltung, so Klöckner. Noch deutlicher falle die Einsparung bei der Emission des klimaschädlichen Kohlendioxids aus: 1300 Tonnen pro Jahr werden eingespart. Gegenüber fossilen Brennstoffen gelangt demnach 65,5 Prozent weniger CO2 in die Luft.

Versorgt werden die Abnehmer über eine kilometerlange, unterirdische Rohrleitungstrasse (jeweils bestehend aus einer Vor- und Rücklaufleitung). In ihrem jeweiligen Keller wird den Kunden dann lediglich eine Übergabestation mit Wärmetauscher aufgestellt. Bei einigen Partnern kommt diese Umstellung wie gerufen, Krankenhaus und Wohnheim (größter Abnehmer) zum Beispiel müssten ohnehin sehr bald in eine neue Heizungsanlage investieren.

Der Zeitplan der Verbandsgemeinde Hachenburg sieht so aus, dass im kommenden Frühjahr die Ausschreibung erfolgen soll. Zuvor wird sich eine Delegation die bestehende Nahwärmeversorgung an der Fachhochschule Bingen und den Holzhof auf dem ehemaligen Munitionsstützpunkt Dichtelbach anschauen. Verantwortlich dort ist die EnergieDienstleistungsGesellschaft Rheinhessen-Nahe, mit der auch die Hachenburger ihr Energiekonzept erstellt haben. "Wir haben das ehrgeizige Ziel", sagt Bürgermeister Klöckner, "dass bis Jahresende 2010 die Wärme aus dem Holzheizkraftwerk den Verbrauchern zur Verfügung steht." Elmar Hering




Die Abnehmer

Gemäß der gewählten Ausbauvariante sollen an das Nahwärmenetz folgende Verbraucher angeschlossen werden: DRK-Krankenhaus und Personalwohnheim, Löwenbad, das städtische Mehrfamilienhaus in der Lohmühlstraße, Kinderhaus, Realschule plus (ehemalige Duale Oberschule) und das Seniorenwohnheim.