Aus Westerwälder Zeitung vom Donnerstag, 26. August 2010, Seite 26 (nur Text)

Startschuss für den Bau der Heizzentrale


Hachenburg: Herzstück des Nahwärmenetzes entsteht am Burbach-Stadion

Die Kommunalisierung der Energieversorgung wird zurzeit landesweit heiß diskutiert. Die Verbandsgemeinde Hachenburg hat das Stadium der Theorie überwunden und beginnt mit dem Aufbau eines Nahwärmenetzes.


Hachenburg. Spatenstich oberhalb des Stadions in Hachenburg: Als Pionierleistung im Westerwaldkreis errichtet die Verbandsgemeinde Hachenburg eine eigene Heizzentrale, die unter Verwendung von Holzhackschnitzeln eine von Energiekonzernen unabhängige, großflächige Nahwärmeversorgung sichert und darüber hinaus Strom liefert. Versorgt werden über noch zu erstellende Leitungstrassen das DRK-Krankenhaus, Personalwohnheim, Löwenbad, Kinderhaus, Rundsporthalle, die Realschule plus und das städtische Mehrfamilienhaus. Die Inbetriebnahme ist für das Frühjahr 2011 geplant.
Das Gemeindewerk kann die Energie rund zehn Prozent günstiger anbieten, als die Energiekonzerne. Für das DRK-Krankenhaus werden rund 900 000 Kilowattstunden Strom produziert. Für eine spätere Ausdehnung der Trassen ist noch Potenzial vorhanden. Um die nachhaltige Versorgung risikolos und effizient sicherzustellen, stammt die Energie zu 80 Prozent aus Holzhackschnitzeln und je zehn Prozent aus Öl und Gas.
Technisch, kaufmännisch und aufgrund der Auflagen stellte das Projekt bereits in der Planungsphase besondere Ansprüche an die Verwaltung. Bürgermeister Peter Klöckner spricht von einem außergewöhnlichen Projekt, das während seiner langen Krankheit von der Beigeordneten Gabriele Greis und Werksleiter Marco Dörner in sechs Monaten intensiver Planung mit viel Herzblut verlässlich begleitet worden sei.
Fünf bis acht Prozent des Energiebedarfs in Deutschland lassen sich über Holz gewinnen, ohne den Waldbestand zu gefährden. Der Gemeindewald in Hachenburg als einer der größten kommunalen Wälder in Rheinland-Pfalz bildet das Fundament für regionale Versorgungssicherheit durch nachwachsende Ressourcen. Greis verwies auf die zukunftsweisende ökologische Grundlage des Konzepts mit sehr hohem Regionalbezug. Dies schließe Stoffkreisläufe und die Sicherung von Arbeitsplätzen vor Ort ein.
Christoph Zeis vom Planungsbüro EDG hat in Rheinhessen mit ähnlichen Projekten bereits Erfahrungen gesammelt. Bei der Energiegewinnung werde der CO2-Ausstoß im Vergleich zur Ölverbrennung um knapp 70 Prozent reduziert. Entsprechend den Bundesgesetzen werden Stickoxide und Kohlenmonoxide herausgefiltert. Die Belastung für Anwohner sollte nach Bauabschluss kaum spürbar sein. Auf ein bis zwei Lkws je Woche rollt der benötigte Nachschub an Holzhackschnitzeln herbei. Ein Pufferspeicher sorgt für eine kontinuierliche Bedarfsdeckung auch bei klirrender Kälte oder bei vereisten Straßen - und vor allem für optimale Kessellaufzeiten.
Auch die Finanzierung ist in trockenen Tüchern: Die Anlage kostet insgesamt 2,5 Millionen Euro, von denen eine Million aus Konjunkturmitteln des Bundes gefördert wird. Der Rest wurde als zinsloses Darlehen gewährt.
Thomas Sonnenschein