Aus Westerwälder Zeitung vom Freitag, 11. März 2011, Seite 20 (nur Text)

Heizzentrale wächst in die Höhe

Großinvestition

Technisches Herzstück des Nahwärmenetzes nimmt Form an

Von unserem Redakteur Elmar Hering

Hachenburg. Als weithin sichtbares Erkennungszeichen hat die Heizzentrale des künftigen Hachenburger Nahwärmenetzes ihren Kamin erhalten. 24 Meter ragt der Schornstein in die Höhe, direkt angeschlossen an die Heizzentrale, die voraussichtlich Ende Mai in Betrieb gehen wird. Energieträger ist in erster Linie Biomasse aus heimischen Wäldern, genauer gesagt Holzhackschnitzel. Das neue Nahwärmenetz soll die Emission des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid um fast zwei Drittel senken.

Nach wochenlangen Verzögerungen durch das Winterwetter greift derzeit bei den Bauarbeiten an der Heizzentrale und den Nahwärmeleitungen ein Rädchen ins andere. Frisch montiert in dem Betonklotz gegenüber dem Burbach-Stadion ist der Biomasseheizkessel (1100 Kilowatt). Der gewaltige Ofen wiegt 4,25 Tonnen, doch allein die Brennkammer darunter ist mehr als dreimal so schwer. Zwei Arbeiter haben eine Woche benötigt, um die Kammer innen mit Schamottesteinen auszumauern.
Das Verbrennen des Holzes bei Temperaturen von 800 bis 1100 Grad Celsius soll rund 80 Prozent der späteren Wärmeleistung bringen. Während der Biomassekessel schon steht, fehlen noch die beiden Ölkessel (1600 und 1950 Kilowatt), die zusammen weitere zehn Prozent abdecken. Sie sind in erster Linie für Spitzenlasten gedacht, können den kompletten Wärmebedarf vorübergehend aber auch alleine stemmen, wenn der Biomassekessel zum Beispiel für zwei bis drei Tage gewartet werden muss. Die restlichen zehn Prozent deckt das künftige Blockheizkraftwerk im nahen DRK-Krankenhaus ab, welches mit Erdgas betrieben wird.

In der Heizzentrale installiert sind außerdem bereits ein riesiger Pufferspeicher (21 Kubikmeter Wasser), drei mächtige Ausdehnungsbehälter sowie zwei Filter für die Abgase, ein sogenannter Zyklonfilter und ein nachgeschalteter Elektrofilter. Letzterer ist notwendig, weil die gesetzlichen Vorschriften bei Anlagen über 1000 Kilowatt die Einhaltung strenger Abgaswerte verlangen. Verantwortlich für den Schornstein ist eine hessische Firma, gefertigt wurde der Stahlkoloss allerdings in Dänemark. Im Inneren führt der Kamin drei Züge aus Edelstahl, je einen pro Heizkessel.

Großabnehmer wie das Löwenbad und das Krankenhaus bezeichnet Planer Gerd Euler von der beauftragten Firma EDG in Nieder-Olm als „Glücksfall“. Bürgermeister Peter Klöckner weiß um die Sensibilität solcher Kunden, vor allem das Krankenhaus müsse jederzeit sicher mit Wärme beliefert werden. Das sei absolut gewährleistet, verspricht Planer Euler. Jeder Schritt werde elektronisch überwacht, die permanente Kontrolle per Datenfernübertragung erlaube schnellstes Eingreifen.

Die VG-Eigenwerke kalkulieren für das Nahwärmenetz mit einer Gesamtinvestition in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Eine Million Euro gibt das Land als Zuschuss, der Rest kann über ein zinsloses Landesdarlehen vorfinanziert werden. Für Bürgermeister Klöckner ist die Marschrichtung klar: „Angesichts der Perspektiven für die öffentlichen Haushalte müssen die Kommunen heute neue Wege gehen und neue Felder besetzen. Für uns ist das Nahwärmenetz eine prima Verbindung von Ökologie und Ökonomie.“ Um auf diesem Gebiet noch weiter voranzuschreiten, denkt die VG über den Bau einer eigenen Windkraftanlage nach.