Aus Westerwälder Zeitung vom Mittwoch, 31. August 2011, Seite 24 (nur Text)

Winter kann kommen: Heizzentrale gestartet


Energie Nahwärmenetz der VG Hachenburg ist wichtiger Beitrag zum Klimaschutz

Von unserem Redakteur Elmar Hering

Hachenburg. Nach rund zweimonatigem Probebetrieb hat jetzt die Verbandsgemeinde Hachenburg die Heizzentrale für ihr neues Nahwärmenetz offiziell in Betrieb genommen. Das Leitungsnetz ist weit fortgeschritten, die letzten Abschnitte sollen bis Mitte September verlegt sein. Auch das Löwenbad ist bereits angeschlossen, sodass die Wärmeversorgung keinen Grund für weitere Verzögerungen der Rundumsanierung darstellt.

Rund 2,3 Millionen Euro netto kostet das gewählte Nahwärmenetz inklusive Heizzentrale. Das Land gewährt dafür einen Zuschuss von 1 Million Euro, für den Rest stellt Mainz der Verbandsgemeinde ein zinsloses Darlehen zur Verfügung. Es habe sich bezahlt gemacht, dass die Verbandsgemeinde schon früh alternative Energienutzungen in Erwägung gezogen hatte, betonte Bürgermeister Peter Klöckner. Die Pläne, die im Zuge der Konjunkturprogramme I und II aus der Schublade geholt und rasch umgesetzt werden konnten, beruhen in großen Teilen auf früheren Untersuchungen zum Stoffstrommanagement. Die Heizzentrale sei Kern eines Konzeptes, bei dem Rohstoffe aus der Region für die Region zum Einsatz kommen. Die Kommune werde unabhängiger von fossilen, klimaschädlichen Brennstoffen, deren Preissteigerungen zudem unkalkulierbar seien. Klöckner lobte die prima Arbeit aller Beteiligten.

Dem schloss sich die Beigeordnete Gabriele Greise an und sprach von einem „wichtigen Tag nach fast einem Jahr Bauzeit.“ Die durch das Konjunkturprogramm ermöglichte beschränkte Ausschreibung habe der Baustelle und der Region gut getan. Werkleiter Marco Dörner skizzierte kurz den sehr zügigen Verlauf vom Förderantrag im Frühjahr 2009 bis zum Baubeginn im Sommer 2010. Mit den 2,2 Kilometer langen Nahwärmeleitungen hätten die VG-Eigenwerke zeitgleich Kanal- und Wasserleitungen in den Straßen erneuert, was hier und da, besonders im Birkenweg, nicht so ganz einfach gewesen sei. Dörner hob die „top Zustimmung in der Bevölkerung“ hervor und sprach sich dafür aus, den Weg der alternativen Energieerzeugung weiter auszubauen. Erster Anschlussnehmer des Nahwärmenetzes ist das DRK-Krankenhaus mit seinem ehemaligen Personalwohnheim.

„Das hat alles reibungslos geklappt“, sagt der kaufmännische Direktor Günter Bartels und meint etwa den Einbau eines gasbetriebenen Blockheizkraftwerkes. Christoph Zeis, Geschäftsführer des beauftragten Energieversorgers EDG Rheinhessen-Nahe, brach eine Lanze für solcherart dezentrale Energieversorgung. Neben dem zehnprozentigen Anteil des Gas-Blockheizkraftwerks gewinne die Heizzentrale ihre Energie zu 80 Prozent aus Holzhackschnitzeln und (in Spitzenlastzeiten) zu 10 Prozent aus Heizöl. Zur Not können die beiden Ölkessel das ganze Netz mit Wärme versorgen. Die moderne Holzheiztechnik reduziere den Ausstoß von Kohlendioxid um fast 70 Prozent, das seien etwa 1300 Tonnen pro Jahr (umgerechnet etwa 200 Einfamilienhäuser). Zeis gab dem SPD-Landespolitiker Hendrik Hering den Wunsch mit auf den Weg, in Mainz eine Änderung der Gemeindeordnung durchzusetzen, damit Kommunen künftig als Wirtschaftsfaktor unternehmerisch tätig sein könnten.