beratungsangebote

Schutz, Beratung und neue Perspektiven

Wie vielfältig Gewalt sein kann, welche Unterstützung betroffene Frauen und ihre Kinder benötigen und vor welchen Herausforderungen die Beratungsarbeit steht, erfuhren Alice Basar, Gleichstellungsbeauftragte der Verbandsgemeindeverwaltung Hachenburg, und ihre Stellvertreterin Michelle Gastall bei einem Besuch in der Beratungsstelle des Autonomen Frauenhauses Westerwald in Hachenburg.

Im Mittelpunkt des Austauschs standen die verschiedenen Hilfsangebote, die Situation der betroffenen Frauen und Kinder sowie die Möglichkeiten, die wichtige Arbeit vor Ort zu unterstützen.

Das Frauenhaus Westerwald bietet Platz für sieben Frauen und 14 Kinder. Frauen unterschiedlichen Alters und jeder Nationalität finden hier Schutz, Unterkunft und professionelle Begleitung. Die Altersspanne der derzeitigen Bewohnerinnen reicht von 16 bis 74 Jahren. Dabei ist körperliche Gewalt nur eine von vielen Formen, die Frauen dazu bewegen, Hilfe zu suchen. Auch psychische, digitale und ökonomische Gewalt sowie Stalking können Betroffene in eine schwierige Lebenssituation bringen. Die Aufnahme ins Frauenhaus ist rund um die Uhr möglich und erfolgt unter der Telefonnummer 02662 5888. Die Adresse des Hauses bleibt zum Schutz der Bewohnerinnen anonym.

Neben dem Frauenhaus ist die Frauenberatung Westerwald in der Rheinstraße 26 eine wichtige Anlaufstelle. Sie unterstützt Frauen unabhängig davon, ob sie in einem Frauenhaus leben oder eine Aufnahme in Betracht ziehen. Die Beratung ist vertraulich, kostenfrei und auf Wunsch anonym. Monatlich kommen nach Angaben der Beratungsstelle bis zu zehn neue Beratungsfälle hinzu. Das Angebot reicht von psychosozialer Beratung und Krisenintervention über Informationen zu rechtlichen und finanziellen Fragen bis hin zur Entwicklung individueller Schutzpläne. Kontakt ist telefonisch, per E-Mail oder über WhatsApp und SMS möglich. Darüber hinaus findet jeden ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 12 Uhr eine offene Sprechstunde ohne Termin statt.

Ein Thema, das im Gespräch besonders deutlich wurde, ist die schwierige Wohnungssuche nach einem Aufenthalt im Frauenhaus. Gerade kleine, bezahlbare Wohnungen sind knapp. Wie herausfordernd die Suche ist, zeigt eine konkrete Erfahrung aus Hachenburg: Die letzte direkte Vermittlung einer Wohnung an eine Bewohnerin des Frauenhauses vor Ort liegt bereits zwei Jahre zurück. Dabei ist ein eigener, sicherer Wohnraum eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Frauen und ihre Kinder nach einer Gewalterfahrung dauerhaft neue Perspektiven entwickeln können.

Auch die Unterstützung aus der Bevölkerung spielt eine wichtige Rolle. Über Sachspenden wie Kleidung und Spielzeug für die Kinder freut sich das Frauenhaus sehr. Eine weniger bekannte, aber ebenso hilfreiche Spendenmöglichkeit sind ausgediente Mobiltelefone. Da die mitgebrachten Handys der Frauen aus Sicherheitsgründen vernichtet werden, können alte Geräte dazu beitragen, Abstand zum bisherigen Umfeld zu schaffen. Wer ein nicht mehr benötigtes Handy zu Hause hat, kann sich daher erkundigen, wie es der Beratungsstelle zur Verfügung gestellt werden kann.

Der Besuch machte deutlich, wie wichtig niedrigschwellige Beratungsangebote, verlässliche Schutzräume und gesellschaftliche Unterstützung sind. Wer selbst von Gewalt betroffen ist oder sich Sorgen um eine andere Person macht, kann sich vertrauensvoll an die Beratungsstelle wenden. Hilfe zu suchen ist jederzeit möglich – auch dann, wenn noch unklar ist, ob das Erlebte bereits Gewalt ist oder welcher Weg der richtige sein könnte.

Kontakt und Hilfe

Frauenhaus Westerwald – Schutz und Unterkunft:
Telefon: 02662 5888 (Aufnahme rund um die Uhr)
E-Mail: frauenhaus-westerwald@t-online.de

Frauen*beratung Westerwald – Beratung ohne Frauenhausaufenthalt:
Rheinstraße 26, 57627 Hachenburg
Telefon: 02662 9466630
Mobil: 0151 29579445 (auch WhatsApp und SMS)
E-Mail: frauenberatung-westerwald@t-online.de
Offene Sprechstunde: jeden ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 12 Uhr

In akuten Gefahrensituationen ist die Polizei unter 110 erreichbar.